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Archiv für März, 2011

Sineb El Masrar „Muslim Girls- Wer wir sind, wie wir leben“, 192 Seiten, 14,95 €, Eichborn, ISBN: 978-3821865331;

Zum richtigen Zeitpunkt ist dieses Buch erschienen, kurz nachdem Sarrazin fürchtete, „Deutschland schafft sich ab“ und bevor der frisch gebackene Bundesinnenminister Friedrich (CSU) behauptete, der Islam gehört nicht zu Deutschland (was er kurz danach wieder relativierte). Sineb El Masrar, 1981 als Tochter marrokanischer Einwanderer in Deutschland geboren, und Mitglied der Integrationskonferenz von Maria Böhmer, räumt auf mit Vorurteilen über muslimische Frauen in Deutschland.

Journalismus im Wandel

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Pier Paolo Pasolini „Rom, andere Stadt“, 111 Seiten, 24,90 €, Corso, ISBN: 978-3862600014;

Pier Paolo Pasolini ist schon lange tot, genauer seit 1975, als er unter bis heute ungeklärten Umständen nahe Rom ermordet wurde. Und trotzdem sind seine Liebeserklärungen an die „Ewige Stadt“ bis heute aktuell. Rom, die „grande metropoli populare“. In einer liebevollen Edition mit vielen, historischen Duotone-Fotografien von Herbert List sind diese Erzählungen, Tagebucheinträge und Gedichte hier erstmals in deutscher Sprache veröffentlicht worden.

Monolog aus kriegerischen Zeiten

Mathias Énard „Zone“, 588 Seiten, 28 €, Berlin, ISBN: 978-3827008862;

An diesem Buch kann man sich tatsächlich abarbeiten: Ein Monumentalwerk von knapp 600 Seiten, ohne Punkt, aber mit vielen Punkten – angelegt an Homers „Ilias“ miit 24 Kapiteln (statt Gesängen). Und wie die Ilias ist es ein Werk über den Krieg und dessen Gräuel, in diesem Fall den Jugoslawienkrieg. Schauplatz ist ein Zugabteil auf einer Bahnreise von Mailand nach Rom.

Fabian von Poser „Namibia – Durch die Augen des Geparden“, 131 Seiten, 14,90 €, Picus, ISBN: 978-3854529750;

Barbara Denscher „Armenien – Im Schatten des Ararat“, 131 Seiten, 14,90 €, Picus, ISBN: 978-3854529774;

Zwei Bildbände ohne Bilder: Fabian von Poser und Barbara Denscher beschreiben in ihren Reisereportagen zwei faszinierende Gegenden – das ehemals deutsche Namibia und die armenisch-türkische Grenzregion um den sagenhaften Berg Ararat, wo der Legende nach einst die Arche Noah strandete.

Robert Schindel „Dunkelstein“, 124 Seiten, 17,90, Haymon, ISBN: 978-3852186450;

„Eine Realfarce“ nennt der Wiener Autor seine Geschichte über den Rabbi Saul Dunkelstein, der 1938 Realpolitik betreibt, in dem er sich den Nazis als Leiter der Auswanderungsabteilung der Israelitischen Kultusgemeinde andient und möglichst viele Juden dafür gewinnen möchte, ihr Heimatland möglichst schnell zu verlassen. Seine Maxime dabei: „Wer ein Leben zerstört, zerstört die Welt, wer ein Leben rettet, rettet die Welt.“

Wer ist nun die fremde Frau?

Ricarda Junge „Die komische Frau“, 188 Seiten, 17,95 €, S. Fischer, ISBN: 978-3100393296;

Die DDR ist auch mehr als 20 Jahre nach ihrem Zusammenbruch nicht vorbei, sie lebt weiter in Gestalt eines Gespensts, jener „komischen Frau“, von der die in Wiesbaden geborene und in Leiptig zur Schriftstellerin ausgebildete Ricarda Junge in ihrem neuesten, dem dritten Roman berichtet. Es geht um ein Berliner Haus, um das Haus, in dem die von Hamburg zugezogenen Lena und Leander einziehen und in dem der (Un-)Geist der Vergangenheit weiterlebt.

Leslie Geddes-Brown „Räume für Menschen, die Bücher lieben“, 160 Seiten, 29,95 €, DVA, ISBN: 978-3421038173;

Wohin mit all den Büchern? Ein Luxusproblem? Fürwahr, aber eines das gelöst werden muss. Mangels Platz stapeln sich bei uns schon die Bücher auf dem Boden. Nur gut, dass demnächst ein Umzug ansteht, und für den bietet der Bildband von Leslie Geddes-Brown viele Inspirationen.

Harold, aber diesmal ohne Maud

Einzlkind „Harold“, 222 Seiten, 16 €, Edition Tiamat, ISBN: 978-3893201426;

Über Autor Einzlkind ist eigentlich nichts bekannt, außer das er in London lebt und sich neulich eine neue Kaffeemaschine kaufte, nachdem die alte kaputt gegangen war. Aber eins ist sicher: Den Filmklassiker „Harold & Maude“ hat er verinnerlicht. Und so schrieb der Anonymus voriges Jahr einen der erstaunlichsten Romane des vergangenen Jahres.

Frauen können’s auch ohne

Siri Hustvedt „Der Sommer ohne Männer“, 256 Seiten, 19,95 €, Rowohlt, ISBN: 978-34980301o0;

Siri Hustvedt ist eine der besten Schriftstellerinnen, die ich je gelesen habe. Eigentlich sogar die beste: „Was ich liebte“ habe ich etliche Male an liebe Menschen verschenkt. Das ist allerdings Fluch und Segen zugleich: Denn alles was die mit Paul Auster verheiratete New Yorkerin seither veröffentlichte, kam an „Was ich liebte“ nicht annähernd heran. Das gilt auch für „Der Sommer ohne Männer“.

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