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Archiv für Mai, 2008

Gertrud Ennulat „Kriegskinder“, 207 Seiten, 16,50 €, Klett-Cotta, ISBN: 978-3608944822;

Auch das gehört zur Vergangenheitsbewältigung. Jene Generation, die vom Zweiten Weltkrieg bewusst nichts mitbekommen hat, aber trotzdem von ihm geprägt wurde, die Jahrgänge 1930 bis 1945, öffnet sich und versucht jene Traumata aufzubrechen, die sie ihr Leben lang bestimmt haben. Die ehemalige Gertrud Ennulat (geboren 1941) ist eine von ihnen.

Thomas Pletzinger „Bestattung eines Hundes“, 352 Seiten 19,90 €, Kiepenheuer & Witsch, ISBN: 978-3462039689;

Über kaum einen deutschsprachigen Debütroman wurde im Frühjahr so viel geschrieben wie über diesen. Das hängt mit der illustren Vorgeschichte des Autors zusammen und mit der komplexen Geschichte, die er erzählt – ein Roman des 21. Jahrhunderts. Pletzinger hat sehr fein beobachtet und eine der Hauptnebenrollen spielt ein dreibeiniger Hund – wer sonst?

Michael Poliza „Eyes over Africa“, 406 Seiten, 98 €, teNeues, ISBN: 978-3832792091;

Ein unglaubliches Buch. Und für Freunde des schwarzen Kontinents ein Muss, trotz des opulenten Preises. 150 Orte in mehr als 15 Ländern, vom Norden Afrikas bis nach Kapstadt, beflogen der deutsche Fotograf Michael Poliza und dessen Freund Stefan Breuer per Hubschrauber. Ihnen gelangen faszinierende Aufnahmen.

Josef-Otto Freudenreich (Hrsg.) „Wir können alles – Filz, Korruption & Kumpanei im Musterländle“, 250 Seiten, 19,90 €, Klöpfer & Meyer, ISBN: 978-3940086129;

Und ich dachte immer: Nur in Bayern mit seinen gefühlten 1000 Jahren CSU-Herrschaft – und, oh Hoffnung, auch Stoibers Sohn geht nun in die Politik – geht’s so zu. Dieses Buch ist eine Fundgrube für Politikverdrossene. Von wegen, unsere Demokratie funktioniert nicht richtig. Man muss nur wissen, wie man sie richtig nutzt. Von den Schwaben und den Badener können wir im Freistaat noch viel lernen.

Kai Strittmatter/Reto Guntli „Istanbul – Metropole zwischen den Welten“, 203 Seiten, 49,90 €, Knesebeck, ISBN: 978-3896605559;

Istanbul ist Boom-City: Für 99 Euro mit der Lufthansa am Freitag hin und am Sonntag zurück – wie nach London oder nach Paris. Die Zwölf-Millionen-Einwohner-Metropole ist aber auch exotisch, es schadet nichts, ein paar Anleitungen zu bekommen – so wie die von Kai Strittmatter im neuesten Reiseführer/Bildband, erschienen bei Knesebeck, dem Verlag für schöne Bücher.

Sibylle Thelen „Istanbul – Stadt unter Strom“, 192 Seiten. 14,90 €, Herder Spektrum, ISBN: 978-3451030093;

Ob nun der Kopftuchstreit oder der um den Paragrafen 301, der die „Verunglimpfung des Türkentums“ unter Strafe stellt, das Bild der Türkei in Deutschland ist das eines „kranken Mannes“. Dabei kann man die heftigen Debatten der türkischen Gesellschaft auch anders verstehen: Als Dynamik einer sich emanzipierenden Gesellschaft. Sibylle Thelen hat viele Belege für diese These.

Seyran Ates „Der Multikulti-Irrtum“, 281 Seiten, 18,90 €, Ullstein, ISBN: 978-3550086946;

Necla Kelek „Die fremde Braut“, 269 Seiten, 18,90 €, Kiepenheuer & Witsch, ISBN: 978-3462034691 (auch als Goldmann-Taschenbuch, 8,95 €);

Eigentlich passt der Titel nicht: Der von Seyran Ates angeprangerte Multikulti-Irrtum ist ein Integrations-Irrtum. Kernthese der deutsch-türkischen Rechtsanwältin: Die deutsche Gesellschaft ist zwar die toleranteste, die man sich vorstellen kann. Aber wer hier lebt, soll sich anpassen oder wieder gehen. Auch Necla Kelek verfolgt in ihrem 2005 erschienenden Buch über „Importbräute“ einen solchen Ansatz.

Esmahan Aykol „Goodbye Istanbul“, 355 Seiten, 19,90 €, Diogenes, ISBN: 978-3257065695;

Wie ist das, so zerrissen zwischen den Welten? Als Türkin in (West-)Europa? Orient trifft Okzident. Die 37-jährige Juristin Aykol, die in Berlin und in Istanbul lebt, erzählt eine wunderbare Geschichte vom Umziehen, von der Liebe und vom Versuch zu vergessen.

Klaus Taubert „Generation Fußnote – Bekenntnisse eines Opportunisten“, 280 Seiten, 9,90 €, Schwarzkopf & Schwarzkopf, ISBN: 978-3896028112;

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Nicht mehr als „Fußnote der Weltgeschichte“ werde die DDR in Zukunft sein, prophezeite der DDR-Schriftsteller Stefan Heym, 1990, als sein Staat unterging. Klaus Taubert, einst Vizechef der staatlichen Nachrichtenagentur ADN, hat dieses Dichterwort nun zum Titel seiner Memoiren gemacht, der – wie der Untertitel heißt – „Bekenntnisse eines Opportunisten“.

Alexander von Humboldt/Oliver Lubrich/Ottmar Ette „Über einen Versuch den Gipfel des Chimborazo zu ersteigen“, 195 Seiten, 19,90 €, Eichborn-Verlag, ISBN: 978-3821807676;

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Er war einer der berühmtesten deutschen Naturforscher und noch dazu auf verschiedenen Kontinenten unterwegs, in Nord- und Südamerika ebenso wie in Asien. Alexander von Humboldt (1769 bis 1859) war unermüdlich in seinem Drang Neues zu entdecken. Sein Versuch am 23. Juni 1802, den Chimborazo (6310 Meter) in Ecuador zu besteigen, scheiterte allerdings. Davon handelt dieses Buch.

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