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Archiv für Februar, 2012

Das akademische Prekariat

Christoph Hein „Weiskerns Nachlass“, 319 Seiten, 24,90 €, Suhrkamp, ISBN: 978-3518422410;

Wer interessiert sich schon für den vor über 200 Jahren in Wien lebenden Schauspieler, Mozart-Librettisten und Kartografen Wilhelm Weiskern? Er hat es nicht mal bis in Wikipedia gebracht. Rüdiger Stolzenberg, 59 Jahre alt, halbtags als Dozent tätig, hat Weiskern gleichwohl sein Forscherleben gewidmet – und scheittert.

Im Land von Milch und Honig

Leif Randt „Schimmernder Dunst über Coby County“, 224 Seiten, 18,90 €, Berlin, ISBN: 978-3827010278;

Alles ist gut in diesem Ort am „schimmernden Ende unserer Welt“ wie die Cover-Rückseite verrät. Zwar ist Wims Weg von Varla I zu Carla II womöglich der Weg in eine Katastrophe, aber vielleicht auch nicht. Leif Randt, gerade mal 28 Jahre jung bekam für eine Lesung aus seinem Erstling bei den Klagenfurter Literaturtagen im vorigen Jahr einen Preis.

Ein Brief an den neuen Eigentümer

Jan Peter Bremer „Der amerikanische Investor“, 120 Seiten, 16,90 €, Berlin, ISBN: 978-3827010353;

Der Held ist auf der Suche, ein Schriftsteller, dem es nicht gelingt, den ersten Satz zu finden. Ein Mann voller Selbstmitleid. Jan Peter Bremer lässt den jammernden Mann ein Selbstgespräch führen, er hat Sorge, dass er seine Wohnung verliert, seit das haus an einen amerikanischen Investor verkauft worden ist.

Der böse Geist des Antisemitismus

КартиниJacques de Lacretelle „Silbermann“, 200 Seiten, 19,90 €, Lilienfeld, ISBN: 978-3940357212;

Musils „Törless“ haben wir als Schüler gelesen, jenen Roman über das Erwachsenwerden, nun müssen wir uns auch Lacretelles „Silbermann“ merken, 1922 erschienen und nun nach 90 Jahren in einer Neuübersetzung und wunderschön editiert im Lilienfeld-Verlag neu herausgebracht: Ein Schülerroman und ein Fanal gegen Antisemitismus.

Die Verlogenheit der Landleute

Josef Bierbichler „Mittelreich“, 391 Seiten, 22,90 €, Suhrkamp, ISBN: 978-3518422687;

Ach Du mein Bierbichler. Wie sehr schätzte ich dich bisher als Schauspieler der spartanischen Gesten. Und als Kunde in meiner Buchhandlung. Vor allem aber als Bewohner meines geliebten (Starnberger) Sees. Und nun hast Du wieder einen Roman veröffentlicht – „eine Dorfgesellschaftsgeschichte des 20. Jahrhunderts“, wie die Süddeutsche ihn nannte.

Georg Brunold „Fortuna auf Triumphzug – Von der Notwendigkeit des Zufalls“, 282 Seiten, 19,99 €, Galiani, ISBN: 978-3869710440;

Was ist Glück, was ist Pech? Die beiden Antipoden bestimmen unser Leben, ob wir uns wohl oder mies fühlen. Oder etwa nicht? Der Schweizer Philosophie-Doktor (Autor des imposanten „Nichts als die Welt“) hat uns ein kleines, feines Büchlein hinterlassen, in Leinen gebunden und liebevoll editiert von Galiani.

Stuart Evers „Zehn Geschichten übers Rauchen“, 220 Seiten, 19,90 €, Frankfurter Verlagsanstalt, ISBN: 978-3627001766;

Junge Menschen finden Rauchen zunehmend uncool, das war eine der Meldungen vorige Woche in den deutschen Medien. Der Londoner Stuart Evers, 35 Jahre alt, also nicht mehr wirklich jung, Buchhändler, Literaturkritiker und nun auch Schriftsteller würde den Begriff „Uncool“ sicher nicht verwenden. Im Gegenteil.

Inside Amerika

David Simon „Homicide“, 800 Seiten, 24,90 €, Kunstmann, ISBN: 978-3888977237;

Kennen Sie „The Wire“? Diese großartige amerikanische Fernsehserie, die Sie in Deutschland nur als Nachteule sehen konnten, weil sie so wenig Zuschauer hatte? Ja, dann ist dieses Buch für sie richtig. „The Hmicide“ ist sozusagen die gedruckte Version und erzählt die ungeschminkte Wahrheit aus Baltimore, einer der gewalttätigsten Städte der Welt.

Paul Greenberg „Vier Fische – Wie das Meer auf unseren Teller kommt“, 312 Seiten, 22 €, Berlin, ISBN: 978-3827010124;

Wo der Fisch herkommt, den wir tiefgekühlt im Supermarkt kaufen und dann in Pfanne oder Backofen zubereiten? Ist doch klar, aus dem Meer. Dort haben Lachs, Kabeljau & Co. viele Monate friedlich ihre Runden gedreht, bevor sie der Fischer gefangen hat. Denkste. Mit Romantik hat die Wirklichkeit nichts mehr zu tun. Paul Greenberg ist der Sache nachgegangen.

Tagebuch in Zeiten des Blogs

Matthias Zschokke „Lieber Niels“, 761 Seiten, 29,90 €, Wallstein, ISBN: 978-3835309098;

 

Irgendwie ist der Schweizer Autor Matthias Zschokke ist irgendwie aus der Zeit gefallen. Er schreibt Tagebuch. Dabei würde man das heute in einem Blog veröffentlichen. Der hätte den gleichen Titel wie dieses Buch: „Lieber Nils“, an den richtete Zschokke nämlich seine Alltagsbeobachtungen.

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