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Archiv für September, 2010

Vom Elend staatlicher Zensur

Shahriar Mandanipur „Eine iranische Liebesgeschichte zensieren“, 320 Seiten, 19,90 €, Unionsverlag, ISBN: 978-3293004153;

Das Spielen mit der Zensur ist eine Herausforderung für Schriftsteller und Journalisten überall in Diktaturen. Shahriar Mandanipur beschreibt die schwierige Arbeit in der iranischen Diktatur und schafft es diese, mehr als lächerlich zu machen.

Dagmar Röhrlich „Tiefsee – Von schwarzen Rauchern und blinkenden Fischen“, 320 Seiten, 24 €, Mare, ISBN: 978-3866481220;

Die Menschen waren auf dem Mond, auf den höchsten Gebirgen, sie waren auch am tiefsten Punkt des Meeres. Allerdings kennen sie bis heute die Unterwasserwelt am allerwenigsten, wie erst vor ein paar Tagen Zeitungsmeldungen über zehntausende neue Arten deutlich machten.

Das Schönste von Tschechow

Anton Tschechow „Die schönsten Erzählungen“, 320 Seiten, 16,95 €, Aufbau, ISBN: 978-3351032784;

„Ich habe Erzählungen wie Sand am Meer“ hat Tschechow einst gesagt. Da fiel es dem Aufbau-Verlag nicht schwer, 18 Geschichten des russischen Dramatikers in diesem Band zusammenzufassen und sie – zu Recht – als „die schönsten“ zu bezeichnen.

Ein schlafendes Mädchen in einem Pickup

Julia Gäbel „Pittys Blues“, 192 Seiten, 16,95 €, Knaus, ISBN: 978-3813503654;

„Ich schreib das auf, was die Stimmen in meinem Kopf mir sagen“, lacht Julia Gäbel gleich zu Beginn des Verlags-Trailers über ihren Erstling „Pittys Blues“. Die Stimmen in ihrem Kopf sind sehr fantasievoll, und sie kommen aus der Ferne. Darum spielt diese wunderbar verspielte Lebengeschichte auch in einem entfernten und bluesigen Ort namens Rickville.

Miniaturen aus dem wahren Leben

Alan Bennett „Ein Kräcker unterm Kanapee“, 144 Seiten, 15,90 €, Wagenbach, ISBN: 978-3803112682;

Man nehme einige Teelöffel Mr. Bean, lasse etliche Milliliter Monty Python einfließen und füge noch eine fette Portion Josef Hader dazu – fertig ist Alan Bennett. Der 76-jährige Schriftsteller und Theatermann seziert gnadenlos das englische Alltagsleben. Der Wagenbach-Verlag hat ihn vor einigen Jahren entdeckt.

Nixon tritt zurück, Mika ist enttäuscht

Beate Rothmaier „Fischvogel“, 224 Seiten, 17,95 €, DVA, ISBN: 978-3421044754;

Er galt als eines der wichtigsten Neuerscheinungen des Frühjahrs: „Fischvogel“, der zweite Roman der in Zürich lebenden Schriftstellerin Beate Rothmaier. Es ist die Geschichte vom Erwachsenwerden der 14-jährigen Mika, und es ist der Blick zurück in analoge Zeiten, ins Jahr 1974.

Thomas Wolfe „Oktoberfest“, 112 Seiten, 10 €, Manesse, ISBN: 978-371754083;

Heute beginnt das Oktoberfest: „… erkannten wir die Aussichtslosigkeit, dort einen Platz zu finden. Tausende von Menschen brüllten an den Tischen über ihrem Bier, und viele Hunderte wälzten sich unentweg auf und ab und hielten Ausschau nach einer Lücke.“ 1927, als der amerikanische Schriftsteller Thomas Wolfe, erstmals die Münchner Wiesn besuchte, ging’s dort genauso zu wie heute.

Der Geschmack von Bitterkeit

Monique Truong „Bitter im Mund“, 328 Seiten, 19,95 €, C.H. Beck, ISBN: 978-3406598388;

Für die vietnamesisch-amerikanische Schriftstellerin Monique Truong dürfte es so etwas wie das Thema ihres Lebens sein. Linda, wohnhaft in einer Kleinstadt in North Carolina,  ist nicht nur eine junge Frau mit einer außergewöhnlichen Gabe, sie weiß auch nichts von ihrer Herkunft – aus Vietnam.

Aus Italiens bleiernen Jahren

матрациWalter Veltroni „Die Entdeckung des Sonnenaufgangs“, 155 Seiten, 17,90 €, Klett-Cotta, ISBN: 978-3608937046;

Dass Politiker (politische) Bücher schreiben, ist nun nicht wirklich spektakulär. Dass sie einen Roman herausbringen schon. Walter Veltroni, von 2001 bis 2008 Bürgermeister von Rom und bei den 2008er Parlamentswahlen Spitzenkandidat seiner Mitte-Links-Partei PD, hat eine Geschichte aus der Zeit des Linksterrorismus geschrieben.

Das Elend des eigenen Unglücks

Richard Yates „Ruhestörung“, 320 Seiten, 19,95 €, DVA, ISBN: 978-3421043931;

Hat es mit der Wirtschaftskrise zu tun, dass der 1992 gestorbene Richard Yates dieser Tage so populär in Deutschland ist. Dieser Autor, der zeitlebens die Kehrseite, die Abgründe des amerikanischen Traums beschrieben hat. Auch „Ruhestörung“ ist so eine Geschichte des Niedergangs, heftig, verstörend, selbstzerstörerisch.

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