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Archiv für Oktober, 2008

Sema Kaygusuz „Wein und Gold“ , 392 Seiten, 24,80 €, Suhrkamp, ISBN: 978-3518419960;

Viele Jahrhunderte llebten sie im Osmanischen Reich friedlich zusammen. Nach Gründung der Türkei wurden die Griechen von dort und die Türken aus Griechenland vertrieben. Dabei ging unglaublich viel verloren. Situation jetzt: Eine türkische Insel, auf der beide Völker friedlich zusammenwirken. Als Leylan bei ihrem Vater tiefer einsteigt, kommen einige Familiengeheimnisse ans Licht.

Mario Levi „Istanbul  war ein Märchen“, 844 Seiten, 24,80 €, Suhrkamp, ISBN: 978-3518419977;

„Wichtig ist, dass man Träume hat“, hat Mario Levi im Gespräch mit meiner Freundin und Kollegin Canan Topcu einmal gesagt. Nur wer träumt, kann auch Märchen schreiben oder eine solch innige Liebeserklärung, wie sie der jüdische Istanbuler seiner Geburtsstadt widmete.

Heinz Kramer/Maurus Reinkowski „Die Türkei und Europa“, 216 Seiten, 26 €, Kohlhammer, ISBN: 978-3170184749;

Die ist ein Buch für die, die’s ganz genau wissen wollen. Die Türkei-Europa oder auch Türkei-Deutschland-Frage aus Sicht zweier Wissenschaftler. Kramer ist Mitarbeiter des konservativen Berliner „Thinktanks“ Siftung für Wissenschaft und Politik, Reinkowski Islam-Professor in Freiburg. Sie schreiben allerdings überaus verständlich.

Sabahattin Ali „Die Madonna im Pelzmantel“, 254 Seiten, 19,80 €, Dörlemann, ISBN: 978-3908777380;

Noch ein Buch von Sabahattin Ali (nach „Der Dämon in uns“), das ins Deutsche übersetzt wurde – 60 Jahre nach dem gewaltsamen Tod des Autors. Als Wanderer zwischen Istanbul und Berlin war Ali schon in den 1940er Jahren so etwas wie der Vorläufer heutiger deutsch-türkischer Intellektueller, etwa Yade Kara mit ihrem „Café Cyprus“.

Corry Guttstadt „Die Türkei, die Juden und der Holocaust“, 520 Seiten, 18 €, Assoziation A, ISBN: 978-3935936491;

Es ist wieder so ein Widerspruch zwischen Anspruch und Wirklichkeit, wie er für die Türkei so typisch zu sein scheint: Die offizielle Geschichtsschreibung weist das muslimische Land als Zuflucht für verfolgte Juden aus. In der Realität aber waren Juden auch hier eine Minderheit mit geringeren Rechten, die vielfach nicht willkommen war. In ihrem Standardwerk entlarvt die Historikerin Corry Guttstadt so manche Klitterung.

Frank Westerman „Ararat“, 288 Seiten, 16,90 €, Ch.-Links-Verlag, ISBN: 978-3861534877;

Wenn die Türkei dereinst zur EU gehört, dann ist der 5165 Meter hohe Ararat der höchste Berg Europas. Aber der Vulkan an der Grenze zu Armenien ist noch viel mehr: Der Landeort der Arche Noah und auch sonst wie ein heiliger Berg – bis heute, wenn nicht gerade die PKK westliche Bergsteiger entführt. Der Holländer Frank Westerman, erklärter Ungläubiger, hat sich umgesehen.

Ismail Boro „Die getürkte Republik“, 272 Seiten, 17,95 €, Heyne, ISBN: 978-3453155367;

Parallelgesellschaften, jugendliche U-Bahn-Schläger, Ehrenmorde – unser Bild der türkischen Mitbürger ist weitgehend von Vorurteilen und von Verurteilungen bestimmt. Dabei leben die meisten der rund drei Millionen Türkischstämmigen gut integriert in der deutschen Gesellschaft.

Ahmet Hamdi Tanpinar „Seelenfrieden“, 576 Seiten, 22,90 €, Unionsverlag (Türkische Bibliothek), ISBN: 978-3293100138;

Noch ein Zeitenwende-Schriftsteller: Ahmet Hamdi Tanpinar (1901-1962) ist ein Chronist des Ancient-Regime. Europa hatte er bereist und begegnete ihm mit Sympathie, sein Herz aber gehörte dem untergegangenen Osmanischen Reich, wovon „Seelenfrieden“, laut Orhan Pamuk „der bedeutendste Roman, der je über Istanbul geschrieben wurde“, ein beredtes Zeugnis abgibt.

Sebnem Isigüzel „Am Rand“, 416 Seiten, 19,90 €, Berlinverlag, ISBN: 978-3827008053;

„Müllberg“, so heißt der türkische Titel dieses Romans direkt übersetzt. Und darum geht’s: Um die geheimnisvolle Geschichte einer jungen Frau, die auf einem Müllberg in Istanbul endet. Wobei Istanbul hier vor allem eine Kulisse bietet.

Halide Edip Adivar „Die Tochter des Schattenspielers“, 580 Seiten, 24,90 €, Manesse, ISBN: 978-3717521648;

Wofür doch ein Mega-Ereignis wie die Buchmesse gut ist: Sie bringt uns die Türkei in einer bisher nicht geahnten Weise näher. Beispiel: Halide Edip Adivar. Die bei uns kaum bekannte Schriftstellerin, Revolutionärin und Frauenrechtlerin war eine der bedeutendsten Türkinnen zur Zeit der Republikgründung.

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