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Archiv für Februar, 2010

Menschlichkeit hat keinen Platz mehr

John Burnside „Glister“, 288 Seiten, 19,95 €, Knaus, ISBN: 978-3813503494;

glister

Solche Szenarien kennt man als Filmfreund: Eine entmenschlichte Welt, geprägt durch die giftigen Hinterlassenschaften von Industriebetrieben. Aber dieser kafkaeske, an tschernobylischen Ängsten reiche Roman spielt in einer nicht definierten Jetztzeit, in Schottland. Und wenn man dem sprachbegabten John Burnside eins partout nicht absprechen kann, dann ist es eine ausgeprägte Fantasie, diese Geschichte realitätsnah zu erzählen.

Brigitte Kronauer „Zwei schwarze Jäger“, 286 Seiten, 21,90 €, Klett-Cotta, ISBN: 978-3608938852;

Kronauer

„Einfälle über die Welt haben“, so heißt es irgendwann über Gräfin Aurora von Königsmark, und dieser Satz ist ein Schlüsselsatz im neuesten Roman der sprachgewaltigen Brigitte Kronauer. Sie offenbart uns in diesem fantasiesprühenden Roman ein Sammelsurium an Personen, bei dem man leicht den Überblick verlieren kann. Zur Not hilft ein Blick in das Personenverzeichnis.

Kristof Magnusson „Das war ich nicht“, 289 Seiten, 19,90 €, Antje Kunstmann, ISBN: 978-38889757820;

Magnusson

Drei Menschen, drei Fehlentscheidungen, drei Wendepunkte. Der in Hamburg geborene Kirchenmusiker und Übersetzer  Magnusson hat eine Geschichte zum Börsencrash geschrieben – von Jasper, einem Investmentbanker im Größenwahn, von der Übersetzerin Maike, die nach einem neuen Sinn sucht, und dem amerikanischen Bestsellerautor Henry, den eine Schreibblockade quält.

Die zerstörerische Kraft der Liebe

Alan Pauls „Die Vergangenheit“, 558 Seiten, 24,90 €, Klett-Cotta, ISBN: 978-3608937053;

Wieder geht es um die Liebe. Alan Pauls, ein hierzulande bisher unbekannter argentinischer Autor, hat mit „Die Vergangenheit“ für Furore gesorgt. Der 50-Jährige wird verglichen mit Marcel Proust, der 2003 verstorbene Roberto Boláno („2666“) nannte ihn gar einen „der größten lebenden Autoren Südamerikas“. Zu Recht?

Die vielen Facetten des Hungers

J. M. G. Le Clézio „Lied vom Hunger“, 218 Seiten, 18,95 €, Kiepenheuer & Witsch, ISBN: 978-3462041361;

LeClezio

Als Le Clézio vorletztes Jahr den Nobelpreis erhielt, da rieben sich selbst Literaturkritiker die Augen: Wer ist das? Seitdem erfreut sich der Franzose auch hierzulande großer Beachtung. „Lied vom Hunger“ ist das jüngste Werk – eines, das die hoch gesteckten Erwartungen weitgehend erfüllt.

Die Befreiung aus dem Wahnsinn

Natascha Wodin „Nachtgeschwister“, 240 Seiten, 19,90 €, Antje Kunstmann, ISBN: 978-3888975608;

Wodin

Sprache kann Liebe sein, aber kann ein Gedichtband der Anfang für die totale Liebe sein. Ist wohl so. In diesem erstaunlichen, poetischen, fast nackten Stück Literatur beschreibt Natascha Wodin ihre Jahre mit dem Schriftsteller Wolfgang Hilbig, einem zutiefst verstörten gestörten, unerträglichen  Menschen. Was sie verband, war – Liebe!

Friedrich Christian Delius „Die Frau, für die ich den Computer erfand“, 288 Seiten, 19,90 €, Rowohlt, ISBN: 978-3871346422;

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Kennen Sie Konrad Zuse? Nein? Da sind sie sicher nicht allein. Dabei geht auf den deutschen Tüftler, der 1995 im gesegneten Alter von 85 Jahren starb, die wichtigste Entscheidung der Neuzeit zurück: Der Computer. F.C. Delius hat nun den Versuch unternommen, den Ruf des verkannten Genies wiederherzustellen, auf seine Weise.

Auch in Tibet wird gemordet

Eliot Pattison „Der tibetische Verräter“, 440 Seiten, 19,95 €, Rütten & Loening, ISBN: 978-3352007651;

Pattison

Ausgerechnet Tibet. Das buddhistische Land am Dach der Welt hat sich bisher als Verbrechenstatort nicht besonders hervorgetan. Wenn allerdings ein amerikanischer Autor über einen ehemaligen chinesischen Polizisten schreibt, der sich nach seinem Rausschmiss illegal in Tibet als Bergführer verdingt und auf einen Doppelmord stößt, dann klingt das durchaus verheißungsvoll, oder?

Ein Tag Mitte Juli, immer wieder

David Nicholls „Zwei an einem Tag“, 560 Seiten, 22,90 €, Kein & Aber, ISBN: 978-3036955421;

Nicholls_zweiTag

Der 15. Juli ist ein ganz besonderer Tag, jedenfalls für Dexter und Emma. 1988, da waren sie zwanzig trafen sie sich das erste Mal – und trennten sich wieder. Und fortan, 20 Jahre lang, ist der 15. Juli immer speziell, ob sich Em und Dex nun sehen oder nicht. „Zwei an einem Tag“ ist eine ganz besondere Geschichte, absolut lesenswert.

Kirsten Marohn „Lappalie“. 204 Seiten, 19,95 €, Books on Demand, ISBN: 978-3837066821;

Lappalie

Zwei Brüder, eine Frau. Der eine begehrt sie, der andere ist mit ihr verheiratet . Das ist nur die eine Geschichte. Die wirkliche „Lappalie“ geschah vor zwölf Jahren, als die Hauptfigur Jasmin in der Silvesternacht von ihrem Schwiegervater vergewaltigt wurde. Das veränderte ihr Leben …

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