Ein vergleichsweise kleines Arschloch

Wolfgang Schömel „Die große Verschwendung“, 260 Seiten, 19,95 €, Klett-Cotta, ISBN: 978-3608939033;

Geschichten, wie diese, passieren regelmäßig in Deutschland 2011. Politiker, die sich maßlos überschätzen, Wirtschaftsleute, die dies ausnutzen und daran gut verdienen, Frauen, die nicht wissen, wo sie zwischen Macht, Geld und Eros stehen. Wolfgang Schömel, seit über 20 Jahren Kulturreferent der Hansestadt Hamburg, hat eine Geschichte aus dem öffentlichen Kulturbetrieb erzählt, die so satirisch klingt wie nur die Wahrheit sein kann.

Georg Glabrecht, Grünen-Politiker und bremischer Wirtschaftssenator, hat sich aufgearbeitet in der Politik. Er leidet an Schlafstörungen und Tinnitus, trinkt mehr als ihm zuträglich ist, nimmt Aufputschmittel und lebt in einer Ehe, die diesen Namen eigentlich nicht mehr verdient. Ein kaputter Typ, wie es sie so zahlreich gibt im Politikbetrieb. All das aber will Glabrecht hinter sich lassen, mit einem gigantischen Projekt: Auf dem zugeschütteten Hafenbecken sollen ein gigantisches Meerwasser-Aquarium und ein Opernhaus entstehen. („Elbphilharmonie Hamburg“, ich hör dir trapsen). Und dann verliebt er sich auch noch in eine weit jüngere Frau …

Auch wenn hier alle Klischees zwischen den beiden Buchdeckeln dieses Romans aufeinander zu treffen scheinen, die Wahrheit ist manchmal ganz einfach. So grotesk und dann wieder so banal. „Mein Thema ist immer die Beschreibung einer psychischen Situation, das ist das, was interessiert. Was ist das für ein Mann, wie ist der in die Politik gekommen, wie hält er das aus, und was geht in ihm vor“, hat Schömel in einem Fernsehinterview gesagt. Und so schuf er mit Glabrecht ein „vergleichsweise kleines Arschloch“ und schrieb eine wunderbar komische Geschichte über das Leben.

Bewertung: *****

 

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